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16.05.2017, 18:55 Uhr
Spätfröste in Baden-Württemberg: Risikoabsicherung im Wein- und Obstbau
Kovac: „Optionen und Anreize schaffen“
Ernte in Gefahr: 2.500 Hektar Kernobst-Anbaufläche in Baden-Württemberg sind geschädigt.

Wie Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) am Dienstag, 16. Mai, ankündigte, wird sein Ressort mit den zuständigen Versicherungen Gespräche bezüglich möglicher Versicherungsoptionen beim Kernobst führen. Die südbadische CDU-Bundestagsabgeordnete Kordula Kovac, begrüßte außerordentlich das Vorhaben, denn Kernobst ist in Deutschland bisher nicht gegen Frostschäden versicherbar.

„Wir müssen aber neben Versicherungsoptionen auch Anreize dafür schaffen, dass eine Versicherung tatsächlich abgeschlossen wird. Unterstützungsmöglichkeiten über das Nationale Stützungsprogramm oder auch ELER-Mittel sind hierfür bereits gegeben“, so Kovac, die weinbaupolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist und als Berichterstatterin für Sonderkulturen für den Obstbau zuständig ist.

In einem Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Peter Bleser, erfuhr die Abgeordnete auf Nachfrage zudem, dass das BMEL in enger Absprache mit dem Bundesfinanzministerium (BMF) Art und Umfang möglicher Bundeshilfen prüfe. Im Hinblick auf den aktuellen Spätfrost könne über mögliche Bundeshilfen jedoch erst abschließend nach Eingang und Wertung der Schadensmeldungen der Länder, die erst im Spätsommer nach Abschätzung der Ernteverluste erwartet werden, entschieden werden. Voraussetzung für Hilfen des Bundes sei, die Einstufung des Schadereignisses als „Katastrophe von nationalem Ausmaß“.

Des Weiteren informierte Bleser Kovac über das Engagement seines Ressorts in Hinsicht auf Forschungsprojekte, die sich der Anpassung des Obst- und Weinbaus an schwierige Wetterverhältnisse widmen. Bleser stimmte mit Kovac überein, dass er es “für einen sinnvollen Ansatz“ halte, „über Forschungsprojekte nach Lösungen zu suchen“. Demnach gebe es bundesweit sechs vom Ministerium geförderte Forschungsprojekte: von der Entwicklung eines Extremwettermonitoring- und Risikoabschätzungssystems über die Forschung zu multiresistenten Wein-Unterlagen bis hin zu Anbausystemen für einen nachhaltigen Weinbau. Demnach befasst sich allerdings nur ein Forschungsprojekt mit der Modellkultur Apfel – alle anderen Projekte sind auf den Weinbau bezogen. „Ich bin froh, dass das Ministerium bereits erkannt hat, dass die negativen Auswirkungen des Klimawandels ernst zu nehmen sind. Allerdings wünsche ich mir eine noch umfangreichere Forschung. Vor allem im Bereich des Kern- und Steinobstes scheinen mir die Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Die diesjährigen Frostereignisse können nicht losgelöst vom Klimawandel betrachtet werden. Ob resistente Pflanzen oder Bewässerung, Klimawandel hat die Landwirtschaft längst erreicht und es liegt an uns, durch Forschung Abfederungen der negativen Folgen zu ermöglichen“, sagte Kovac.

Die Schäden der diesjährigen Spätfröste sind immens: allein in Baden-Württemberg wird mit Schäden in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags gerechnet. 7.000 Hektar der insgesamt 28.000 Hektar Weinbauflächen weisen starke Frostschäden bis hin zu Totalschäden auf.  Von den 11.000 Hektar Kernobst (Apfel, Birne) sind 2.500 Hektar geschädigt. Von den rund 4.000 Hektar Steinobst (Kirsche, Zwetschge) sind rund 3.000 Hektar sehr stark beschädigt. „Viele der Obstbauern stehen nach wirtschaftlich schwierigen Jahren unverschuldet mit dem Rücken zur Wand“, so Kovac.

Nach den Spätfrösten nach Ostern schrieb Kovac sowohl Minister Peter Hauk als auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) mit der Frage nach finanziellen Hilfen bei Ernteausfall durch Frostschäden an. Auch bat sie um eine Auflistung der Forschungsprojekte zur Anpassung des Wein- und Obstbaus an schwierige Wetterverhältnisse beziehungsweise forderte die Minister auf, entsprechende Projekte in die Wege zu leiten.