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01.06.2017, 08:42 Uhr
Falscher Mehltau im Öko-Weinbau
Ministerium hält Auszahlung der Ökoförderung bei Praxisversuchen mit Kaliumphosphonat für wahrscheinlich / Entscheidung über Verkürzung des Umstellungszeitraums für Ende Juni/Anfang Juli erwartet
Gesunde Reben sind die Vorraussetzung für guten Wein.
Das Ministerium für Ländlichen Raum (MLR) Baden-Württemberg hat auf Nachfrage der CDU-Bundestagsabgeordneten Kordula Kovac bestätigt, dass die um die mit Kaliumphosphonat behandelten Rebfllächen gekürzte Ökoförderung für die am Praxisversuch gegen den Falschen Mehltau teilnehmenden Betriebe wohl dennoch schnellstmöglich ausgezahlt werden kann.

Aufgrund EU-rechtlicher Vorgaben kann für die mit Kaliumphosphonat gegen den Falschen Mehltau behandelten Flächen selbst keine Ökoförderung nach FAKT für das Jahr 2016 gewährt werden. Eine Sanktionierung, also eine Kürzung der Ökoförderung für die übrige Betriebsfläche in 2016 sowie eine anteilige Rückforderung der Ökoförderung für 2015 kann aber abgewendet werden, wenn für den Einzelfall nachgewiesen werden kann, dass durch die Anwendung des nicht zulässigen Mittels der Betrieb ein für ihn „unverhältnismäßiges Opfer“ abwenden konnte. Die hierfür notwendigen Prüfungen der Stellungnahmen der unteren Landwirtschaftsbehörden und der teilnehmenden Betriebe seien noch nicht abgeschlossen. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) versicherte Kovac aber, dass das Ministerium davon ausgehe, dass die „unverhältnismäßigen Opfer“ bei allen teilnehmenden Betrieben anerkannt werden würde.
 
Kovac, die als einzige Abgeordnete Südbaden im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft vertritt, begrüßte die Einschätzung des Ministeriums: „Nach schwierigen Monaten gibt es so immerhin ein gewisses Maß an Planungssicherheit. Allerdings stimmen die Aussagen zur Verkürzung der Umstellungszeit wenig positiv.“
 
Das MLR bestätigte, dass eine Verkürzung des Zeitraums für die Umstellung von konventionellem auf ökologischen Weinbau - im Falle, dass die Fläche mit einem Mittel behandelt wurde, welches für die ökologische Produktion nicht zugelassen ist - schwierig sei. Voraussetzung für einen verkürzten Umstellungszeitraum ist, dass die Höhe der Rückstände im Boden beziehungsweise in der Pflanze am Ende des Zeitraums unbedeutend ist. Hierfür müssen zunächst Rückstandsuntersuchungen an den Pflanzen durchgeführt werden.
 
„Das MLR hat länderübergreifend mit den zuständigen Behörden bereits eine Vorgehensweise zur Überprüfung erarbeitet, die in den nächsten Wochen umgesetzt werden soll“, so Kovac. „Ende Juni, Anfang Juli kann dann auf der Basis der erfassten Rückstandswerte eine Entscheidung getroffen werden.“

Aufgrund der schwierigen Witterungsbedingungen 2016 waren die Winzerinnen und Winzer mit einem starken Infektionsdruck durch Peronospora (Falscher Mehltau) konfrontiert. Dem konventionellen Weinbau steht ein breites Spektrum an Pflanzenschutzmitteln zur Bekämpfung der Pflanzenkrankheit zur Verfügung. Aufgrund einer Änderung im Europäischen Pflanzenschutzgesetz ist es jedoch den Öko-Winzern seit 2012 nicht mehr erlaubt, Kaliumphosphonat einzusetzen. Neben Kupferpräparaten ist dieses Mittel allerdings für die zertifizierten Betriebe die einzig effiziente Maßnahme gegen den Falschen Mehltau.

Baden-Württemberg hatte daher 2016 unter Federführung des Ministeriums für ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) den Einsatz von Kaliumphosphonat bei Praxisversuchen im Öko-Weinbau im Rahmen eines wissenschaftlichen Versuchs erlaubt.