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28.04.2017, 11:54 Uhr
Attraktivität von Handwerksberufen anerkennen
Kovac fordert Umdenken in Elternhäusern und Politik
Kordula Kovac, Kreishandwerksmeister Andreas Drotleff und Geschäftsführerin Susanne Drotleff mit Obermeistern der Ortenauer Handwerkerinnungen

Unter dem Motto ‚Wo drückt dem Handwerk der Schuh‘ war die Bundestagsabgeordnete Kordula Kovac (CDU) auf Einladung der Kreishandwerkerschaft Ortenau zu Gast im Haus des Handwerks in Offenburg. Zahlreiche Obermeister der Ortenauer Handwerkerinnungen schilderten der Abgeordneten die drängenden Sorgen des Handwerks.

Zentrales Problem der Handwerkerschaft sei der Mangel an Fachkräften, so Andreas Drotleff, Kreishandwerksmeister. Er beklagte die gesellschaftliche Idealisierung des Erlangens des Abiturs und der Aufnahme einer akademischen Ausbildung. Dies führe dazu, dass die Bewerberzahlen für eine handwerkliche Ausbildung drastisch zurückgingen.

Auch äußerte er sich besorgt über die mangelnde schulische Vorbildung, welche zahlreiche Auszubildende mitbrächten. Teilweise wiesen sie erhebliche Defizite in den Grundrechenarten, dem Lesen und dem Schreiben auf.

Kovac stimmte dem zu: „Wir brauchen ein Umdenken in den Elternhäusern und in der Politik. Das Abitur und die Aufnahme eines Studiums sind nicht das Nonplusultra.“ Kovac versprach, sich an die Kultusministerin Dr. Eisenmann zu wenden. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass mit der neuen Kultusministerin ein wichtiges schulpolitisches Umsteuern zu einer besseren schulischen Ausbildung vollzogen sei.

Die Handwerkerobermeister monierten ferner ein Ungleichgewicht zwischen der gesellschaftlichen Verantwortung, die ihnen obliege und ihnen zugeschoben werde, und der staatlichen Anerkennung ihrer Arbeit. So werde zum Beispiel insbesondere in der Flüchtlingsdebatte auf das Handwerk als möglichen Beruf für Flüchtlinge und auf die integrierende Kraft von Handwerksberufen verwiesen. Gleichwohl honoriere der Staat die dafür geleistete Mehrarbeit im Handwerk nicht angemessen. In dieser Angelegenheit versprach Kovac, sich an Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble zu wenden.

Sehr begeistert zeigte sich Kovac von einem Projekt der Feuerwehr Offenburg, der Handwerkskammer Freiburg und der Kreishandwerkerschaft, die Jugendlichen der Jugendfeuerwehr für das Handwerk zu begeistern. In einem umfangreichen Workshop in der Gewerbeakademie Offenburg können sich die Jugendlichen in den Werkstätten an einem Handwerk versuchen, Berufe kennenlernen und sich wichtige Grundlagen für die Feuerwehrarbeit aneignen: „Diese Projekte sind sehr wichtig, denn Jugendliche können unverbindlich ausprobieren, welche Berufe ihnen Freude machen könnten. Viele Jugendliche wären im Handwerk glücklicher als im Universitätsstudium oder an einer Fachhochschule. Gleichzeitig braucht das Handwerk geeignete Bewerber. Ich sehe viel Potential, dass Jugendliche und Handwerk zueinanderfinden.“