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12.05.2017, 15:09 Uhr
Deutschlands Obstgarten an der Elbe: Kovac besucht Altes Land
Sprecherin für Obstbau und Sonderkulturen informiert sich über Bekämpfungsmaßnahmen gegen Kirschessigfliege

Oliver Grundmann, CDU-Bundestagsabgeordneter für Stade I – Rothenburg II, Jens Stechmann, Vorsitzender des Bundesausschusses Obst und Gemüse, Obstbauer Rolf Tambke und Kordula Kovac MdB, Sprecherin für Obst- und Weinbau der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Am Donnerstag ist CDU-Bundestagsabgeordnete Kordula Kovac, Fraktions-Sprecherin für Wein- und Obstbau, ins Alte Land gereist, um den Vorsitzenden des Bundesausschusses Obst und Gemüse, Jens Stechmann, zu treffen. Stechmann empfing sie auf seinem Obsthof. Gemeinsam besuchten sie das Esteburg Obstbauzentrum, eine Forschungseinrichtung in Jork, um sich über die aktuelle Lage im Obstbau und Bekämpfungsstrategien gegen den Schädling Drosophila suzukii, die Kirschessigfliege (KEF), zu informieren.

Kovac erhielt in Jork die Gelegenheit, die von ihr auf den Weg gebrachten Projekte des Versuchsanbaus unter Netz zu besichtigen. Für eine effektive Bekämpfung der KEF muss auf eine Mischung aller zur Verfügung stehenden Maßnahmen zurückgegriffen werden. Neben der chemischen Bekämpfung, gilt es ebenfalls, Hygienemaßnahmen zu ergreifen. „Übernetzungen oder das Abernten von befallenen Früchten bieten hier praxisnahe Ansatzpunkte, die schnell umgesetzt werden können“, so Kovac.

Die Kirschessigfliege verursachte in den vergangenen Jahren immer wieder erhebliche Ernteschäden im Wein- und besonders im Obstbau. Kovac setzt sich bereits seit Beginn ihres Bundestagsmandates als Sprecherin für Weinbau und Sonderkulturen dafür ein, dass die Herausforderungen durch den Befall der Kirschessigfliege ernst genommen und geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Die Kirschessigfliege ist in diesem Jahr nicht das einzige durch den Klimawandel verursachte Problem, vor dem die deutschen Obstbauern stehen. Vor allem im Westen und Südwesten hat der späte Frost im deutschen Obstbau katastrophale Schäden angerichtet. „Auf vielen Höfen droht ein Totalschaden. Aufgrund der bereits vorher angespannten Lage haben viele Betriebe nun Existenzsorgen“, so Kovac. „Auch wenn die genauen Schäden erst nach der Ernte beziffert werden können, ist jetzt schon klar, dass die Lage mehr als ernst ist.“

Für Kovac, die als einzige Abgeordnete Südbaden im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft vertritt, stellt sich die Frage von finanziellen Hilfen für betroffene Obstbauern. „Frostschäden im Obstbau sind nicht versicherbar. Wenn in Österreich staatliche Entschädigungen möglich sind, warum sollte es etwas Vergleichbares nicht auch in Deutschland geben“, stellte Kovac zur Diskussion. In Österreich hat das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) im vergangenen Herbst eine Sonderrichtlinie zur Unterstützung von frostgeschädigten Betrieben erlassen. Frostbedingte Einkommensverluste im Wein- und Obstanbau sowie in Kernobstjunganlagen, Hopfenkulturen und im Erdbeeranbau können durch ein Entschädigungsmodell aufgefangen werden.

Die Landesregierung Baden-Württembergs hat die Frostschäden im Obst- und Weinbau bereits als Naturkatastrophe eingestuft. Dadurch wurden die Voraussetzungen für finanzielle Hilfen seitens des Landes geschaffen.

„Den geschädigten Betrieben muss kurzfristig finanzielle Hilfe angeboten werden, denn nach mehreren wirtschaftlich sehr schwierigen Jahren sind viele Existenzen bedroht. Langfristig benötigen die Betriebe Unterstützung bei der Risikovorsorge, entweder durch die Möglichkeit von steuerfreien Risikorücklagen oder der staatlichen Förderung von Versicherungslösungen, so wie sie in vielen Mitgliedsstaaten der EU praktiziert werden“, sagte Stechmann. Er selbst führt einen Obstbaubetrieb in Jork in 13. Generation und ist Sachverständiger im Fachgebiet Obstbau. Seine Aufgaben umfassen die Bewertung von Schäden an Obstkulturen und die Berechnung von Entschädigungen.

Das Alte Land ist das größte Obstbaugebiet Deutschlands. Seine einzigartige Kulturlandschaft zeugt von der hochmittelalterlichen Kolonisation durch Entwässerung des Sumpflandes durch holländische Siedler. Der bis heute vorherrschende Obstanbau besteht seit dem späten Mittelalter.

Der Bundesausschuss Obst und Gemüse (BOG) ist die politische Vertretung des deutschen Obst- und Gemüsebaus. Die Trägerverbände sind der Deutsche Bauernverband (DBV), der Zentralverband Gartenbau (ZVG) und der Deutsche Raiffeisenverband (DRV). Der BOG setzt sich aus der Bundesfachgruppe Obstbau, der Bundesfachgruppe Gemüsebau und dem Fachausschuss Obst und Gemüse des DRV zusammen und hält Kontakt zu den politischen Vertretern und Ministerien.